Glossar

A B C D E F G H I K L M N O P R S T U V W Z

A

AAM
Angeborener Auslösemechanismus: Reizfiltermechanismus, der dafür sorgt, dass "passende" Schlüsselreize bestimmte  Instinkthandlungen auslösen.

afferent
Nervenleitung vom Sinnesorgan zum ZNS (auch sensorisch)

Aktionspotential
kurzfristige Ladungsumkehr an der Membran von Neuronen durch Öffnen von Natrium-Ionenkanälen zur Errgungsleitung

Antrieb
Motivation; spezifische Handlungsbereitschaft: Bereitschaft eines Tieres zur Ausführung einer bestimmten Handlung, abhängig von inneren u. äußeren Faktoren

Appetenzverhalten
Suchverhalten; aktives Anstreben einer auslösenden Reizsituation durch eine spezifische Handlungsbereitschaft  (Antrieb), endet mit der bereitschaftsenkenden Endhandlung

assoziatives Lernen
Lernen durch Verknüpfung von unbedingtem und bedingtem Reiz (CS-US-Assoziation) beim klassischen Konditionieren oder von erwünschtem Verhalten und Belohnung beim operanten Konditionieren

Attrappenversuche
Überprüfung der Eigenschaften/Merkmale möglicher Schlüsselreize durch einfache Nachbildungen von (Instinkthandlungen) auslösenden Reizsituationen, wobei einzelne Merkmale der Attrappe variiert und kombiniert werden.

autonomes NS
(auch vegetatives NS); Teil des PNS, der unwillentlich und ohne Bewusstsein die inneren Organe steuert , er besteht aus Sympathicus und Parasympathicus

Axon
langer Fortsatz eines Neurons, der Aktionspotentiale vom Zellkörper (Soma) zum nächsten Neuron oder zu einer Muskelzelle fortleitet

B             ß

C             ß

CR
Conditioned Reaktion;
(erfahrungs-) bedingte Verhaltensreaktion auf einen konditionierten (bedingten) Reiz (CS)  (z.B. Speichelfluss bei Pawlows Hund)

CS
Conditioned Stimulus;
(erfahrungs-) bedingter Reiz, der eine bedingte Verhaltensantwort (CR) zur Folge hat  (z.B. Glockenton bei Pawlows Hund)

D             ß

Dendriten
kurze verzweigte Fortsätze eines Neurons, die Nervenimpulse zum Zellkörper Soma) leiten

Depolarisierung
Ladungsumkehr während des Aktionspotentials des Zellinneren auf 30mV gegenüber dem Zelläußerem

Diffusion
bewegliche Teilchen (also auch Ionen) haben die Tendenz, sich dem Konzentrationsgefälle folgend gleich zu verteilen.

Doppelte Quantifizierung
Die Intensität einer Instinkthandlung hängt ab von der spezifischen Handlungsbereitschaft als auch von der Wirksamkeit der Schlüsselreize.

E             ß

Effektor
Erfolgsorgan (Muskel, Drüse)

efferent
Nervenleitung vom ZNS zum Erfolgsorgan (auch motorisch)

elektrische Kräfte
Teilchen gleicher Ladung stoßen sich ab, Teilchen unterschiedlicher Ladung ziehen sich an

Endhandlung
Erbkoordination, die das vorausgegangene Appetenzverhalten abschließt und den Antrieb (Handlungsbereitschaft) des betreffenden Instinktverhaltens senkt.

EPSP
exzitatorisches postsynaptisches Potential; Zielzelle wird an dieser Stelle graduell (unterhalb der Schwelle eines Aktionspotentials) durch NA-Ioneneinstrom depolarisiert

Erbkoordination
angeborene, genetisch festgelegte und formkonstante Komponente einer Instinkthandlung; läuft - einmal ausgelöst - auch ohne weitere Außenreize ab.

Erregung
Impulsleitung innerhalb des Nervensystems

Ersatzobjekt (Handlung am -)
Auf ein "falsches" unspezifisches Objekt gerichtete Instinkthandlung bei hoher Handlungsbereitschaft (vgl. Dopp. Quant.)

exzitatorische Synapse
erregende zentrale Synapse, die Membran der Zielzelle wird an dieser Stelle depolarisiert (vgl. EPSP)

F             ß

Fühler
Instanz (biol.:Sinnesorgan), die den Istwert ermittelt.

Führungsglied
Instanz (biol.: im Gehirn), die den Sollwert vorgibt.

G             ß

Gehirn
Zentrales Organ zur Informationsverarbeitung und Steuerung des Organismus

Gehirnforschung
Roth, Gerhard "Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert" (2001) Suhrkamp

H             ß

Handlungsbereitschaft
siehe: Antrieb

Hyperpolarisation
Ladungsdifferenz zwischen Zellinnerem und -äußerem über den Ruhewert hinaus (-90 mV)

I             ß

inhibitorische Synapse
hemmende zentrale Synapse, die Membran der Zielzelle wird an dieser Stelle hyperpolarisiert (vgl. IPSP)

Instinktlehre
naturwissenschaftlich orientierte Erforschung angeborenen Verhaltens durch vergleichende Verhaltensbeobachtung

Instinkthandlung
Verhaltensweise in Form einer Taxis und oder Erbkoordination, die durch einen Antrieb motiviert und einen Schlüsselreiz ausgelöst wird.

Ionenkanäle
Passierstellen für bestimmte Ionen an Biomembranen, durch das Öffnen oder Schließen lässt sich das Membranpotential verändern

IPSP
inhibitorisches postsynaptisches Potential; Zielzelle wird an dieser Stelle durch Cl-Ioneneinstrom hyperpolarisiert

irreversibel
Dauerhaftigkeit des Lernergebnisses, das durch andere Erfahrungen nur noch schwer oder gar nicht mehr verändert werden kann (z.B. bei der Prägung).

Istwert
Aktueller Wert der zu regelnden Größe, der vom Fühler (biol.:Sinnesorgan) dem Regler gemeldet (biol.: Afferenz) wird.

J            ß

K             ß

Kaspar Hauser
Findelkind rätselhafter Herkunft, das 1828 im Alter von ca. 16 Jahren in Nürnberg auftauchte und angeblich ohne Kontakt zu Menschen in einem finsteren Gelass aufwuchs.

Kaspar-Hauser-Tiere
werden unter weitgehendem Erfahrungsentzug aufgezogen und dadurch daran gehindert, Lernerfahrungen zu machen. (Kaspar Hauser Legende)

Klassische Konditionierung
Lernverfahren (Pawlow), bei dem ein ursprünglich neutaler Reiz mit einem unbedingten Reiz (US) zeitgleich und wiederholt verknüpft wird, so dass die angeborene (unbedingte) Reaktion (UR) allein durch den konditionierten Reiz (CS) ausgelöst und damit zur konditionierten Reaktion (CR) wird. Es wird ein neuer Reiz für eine vorhandene Reaktion gelernt.

Konditionierung
Lernverfahren, wobei das Auftreten des Verhaltens an bestimmte Bedingungen geknüpft wird (vgl. Klassische K. und Operante oder Instrumentelle K.)

Kybernetik
gr.:Steuermannskunst; die Lehre von der Regel-, Mess- und Steuertechnik

L            ß

Leerlaufhandlung
Das spontane Auftreten einer normalerweise durch Außenreize hervorgerufenen Verhaltensweise in Abwesenheit dieser Reize bei hoher Handlungsbereitschaft (vgl. Dopp. Quant.).

Lernen
Verhaltensänderung durch Erfahrung; beim Lernprozess werden Informationen aufgenommen, im Gedächtnis gespeichert und im Bedarfsfall abgerufen.

Lernforschung
Spitzer, Manfred "Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens" (2002) Spektrum Akad. Verlag

M             ß

monosynaptischer Reflex
Reflex mit nur einer Synapse zwischen Afferenz und Efferenz

Motivation
siehe: Antrieb

motorisch
Nervenleitung vom ZNS zum Erfolgsorgan (auch efferent)

N             ß

Nachlaufprägung
legt unter natürlichen Bedingungen bei nestflüchtenden Vögeln (Elternbindung) Kenntnis der Elternmerkmale fest.

Neuron
Nervenzelle

Neurotransmitter
Überträgersubstanz, die die chemische Erregungsübertragung an Synapsen ermöglicht (z.B. Acetylcholin und Glutaminsäure an neuromuskulären und exzitatorischen Synapsen und GABA an inhibitorischen Synapsen).

O             ß

Objektprägung
Prägung auf ein Objekt (Nachlaufprägung, sexuelle Prägung) im Ggs. zu z.B. Ortsprägung, Nahrungsprägung, Gesangsprägung.

Operante Konditionierung
Lernverfahren (Thorndike, Skinner), bei dem eine spontane Verhaltensweise mit einer Belohnung (oder Bestrafung) wiederholt "verstärkt" wird und so in der Folge häufiger (oder seltener) auftritt. Es wird ein neues Verhalten gelernt.

P             ß

Parasympathicus
Teil des autonomen NS, der die Aktivitäten im Organismus steigert, die Energie liefern oder einsparen.

PNS
Peripheres Nervensystem; Nervenbahnen, die die Sinnesorgane mit dem ZNS verbinden (sensorisch) oder das ZNS mit den Effektoren (motorisch).

Polarisation
Ladungsunterschied des Zellinneren von -70mV gegenüber dem Zelläußerem beim Ruhepotential

polysynaptischer Reflex
Reflex mit vielen Synapsen zwischen Afferenz und Efferenz

postsynaptische Membran
Membran der Zielzelle (Muskelzelle, Neuron), auf die die Erregung übertragen werden soll.

postsynaptisches Neuron
die Nervenzelle nach der betreffenden Synapse

Prägung
Lernform, bei der in der sensiblen Phase mit einem irreversiblen Ergbnis z.B. ein Objekt gelernt wird.

präsynaptische Membran
umgibt die Terminals des Neurons, von dem die Erregung an eine Zielzelle übertragen werden soll.

präsynaptisches Neuron
die Nervenzelle vor der betreffenden Synapse

Q             ß

R             ß

Ranvier-Schnürringe
Lücken zwischen den Schwann-Zellen, wo das Axon frei liegt und die Erregungsleitung saltatorische abläuft.

Reflex
starre Verknüpfung zwischen spezifischem Reiz und spezifischer Reaktion

Refraktärzeit
kurzer Zeitraum nach einem Aktionspotential, in dem das Neuron aufgrund der Repolarisierung nicht erregbar ist

Regler
Instanz (biol.:ZNS), die den Soll-Istwert-Vergleich durchführt

Regelgröße
die zu regelnde Größe

Reifung
Vervollkommnung einer Verhaltensweise ohne Übung; Eine Handlung reift, wenn sie sich im Laufe der Entwicklung auch dann verbessert, wenn keine Gelegenheit besteht, sie auszuführen.

Reiz
äußere Einwirkung auf ein Sinnesorgan

Reizsummation
Attrappen, die verschiedene auslösende Merkmale (Schlüsselreize) vereinen oder kombinieren, wirken stärker als Attrappen mit einzelnen   Schlüsselreizmerkmalen.

Rezeptor
Sinneszellen, die einen Reiz aufnehmen

Rezeptor (synaptischer)
Empfängerstelle an der postsynaptischen Membran, an die der Neurotransmitter bindet um den Ionenkanal zu öffnen.

Rückenmark
Teil des ZNS, verbindet sensorische und motorische Nervensignale zur Bewegungssteuerung

Ruhepotential
Negatives  Membranpotential eines nicht erregten Neurons

S             ß

Schlüsselreiz
bestimmter Signalreiz (Reizkombination), der von einem AAM "erkannt" wird und eine spezifische Instinkthandlung auslöst.

Schwann-Zellen
bilden bei Wirbeltierneuronen um das Axon eine Isolierschicht

semipermeabel
Biomembranen sind für bestimmte Teilchen und Substanzen leichter, für andere schwer oder gar nicht zu passieren.

sensible Phase
Lebensabschnitt, in dem ein Lebewesen für bestimmte Lernerfahrungen (hier Prägung auf ein Objekt) besonders oder ausschließlich empfänglich ist.

sensorisch
Nervenleitung vom Sinnesorgan zum ZNS (auch afferent)

sexuelle Prägung
legt unter natürlichen  Bedingungen Kenntnisse der Elternmerkmale fest, um später die arteigenen Geschlechtspartner erkennen zu können.

Sollwert
Vorgegebener Wert der zu regelnden Größe, der vom Führungsglied (biol.:Gehirn) dem Regler gemeldet wird.

somatisches NS
Teil des PNS, der in Reaktion auf Außenreize Signale zur Skelettmuskulatur sendet und z.T. dem Willen und Bewusstsein unterliegt.

Spalt (synaptischer)
Zelläußeres zwischen prä- und postsynaptischer Membran

Stellglied
Instanz (biol.: Effektor, Muskel oder Hormondrüse), die mit der Stellgröße das System reguliert.

Stellgröße
wirkt auf die Regelgröße ein, um die Störgröße auszugleichen

Stellwert
vom Regler (biol.: ZNS) errechneter Wert, der die Soll-Istwert-Differenz ausgleichen soll und an das Stellglied übermittelt (biol.: Efferenz) wird

Störgröße
wirkt auf die Regelgröße ein, und bringt das System aus dem Gleichgewicht.

Sympathicus
Teil des autonomen NS, der den Energieverbrauch steigert und den Organismus aktionsbereit macht.

Synapse
Verknüpfungsstelle zwischen  Nervenzellen (zentrale Synapse) oder zwischen Neuron und Muskelzelle (neuromuskuläre Synapse)

synaptische Plastizität
Veränderung der chemischen Erregungsübertragung an  Synapsen, was als neuronales Korrelat von Lernen angesehen werden kann.

T            ß

Taxis
Orientierungsbewegung aufgrund richtender Reize; die variable Komponente einer Instinkthandlung

Terminal
kolbenartige Verdickung am Ende eines Axons, enthält die Transmittersubstanz und bildet mit der postsynaptischen Membran der Zielzelle eine Synapse

U             ß

übernormaler Auslöser
Attrappen, die bestimmte (als Auslöser dienende) Merkmale "übertreiben", wirken oft stärker als naturgetreue Nachbildungen.

UR
Unconditioned Reaktion;
unbedingte Reaktion, angeborenes Verhalten oder Reflexantwort auf einen unbedingten Reiz (US) (z.B. Speichelfluss bei Pawlows Hund)

US
Unconditioned Stimulus;
unbedingter Reiz, der eine angeborene Verhaltens- oder Reflexantwort (UR) zur Folge hat  (z.B. Nahrungsreiz bei Pawlows Hund)

V             ß

Vesikel (synaptisches)
Bläschen in den Terminals, die den Neurotransmitter enthalten

W             ß

Z             ß

ZNS
Zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark)